Geistlicher Übungsweg

Ein täglicher Weg mit Bibelwort, Andacht und stiller Übung

Woche 06

Gottes Liebe sucht die Antwort meines Glaubens

Tag 05

Mit den Händen helfen

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Die Werke der Barmherzigkeit in der Alten Kirche

Die Werke der Barmherzigkeit zeigen, wie der Glaube an Christus in tätiger Liebe sichtbar wird.

Biblische Grundlage

Die Werke der Barmherzigkeit gehen besonders auf die Worte Jesu in Matthäus 25,31–46 zurück. Dort spricht Jesus vom Speisen der Hungrigen, vom Tränken der Durstigen, vom Aufnehmen der Fremden, vom Bekleiden der Nackten, vom Besuchen der Kranken und Gefangenen. Wer dem geringsten Bruder dient, dient Christus selbst.

Die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit

  • Hungrige speisen.
  • Durstigen zu trinken geben.
  • Nackte bekleiden.
  • Fremde aufnehmen und beherbergen.
  • Kranke besuchen und pflegen.
  • Gefangene besuchen oder freikaufen.
  • Tote würdig begraben.

Die geistlichen Werke der Barmherzigkeit

  • Unwissende lehren.
  • Zweifelnden guten Rat geben.
  • Sünder zurechtweisen.
  • Beleidigern verzeihen.
  • Lästige geduldig ertragen.
  • Trauernde trösten.
  • Für Lebende und Verstorbene beten.

Barmherzigkeit in der Alten Kirche

In der Alten Kirche wurden diese Werke sehr praktisch gelebt. Arme erhielten Unterstützung, Witwen und Waisen wurden versorgt, Kranke gepflegt und Fremde aufgenommen. Auch Gefangene wurden besucht und manchmal freigekauft. Verstorbene, besonders Arme und Märtyrer, wurden würdig bestattet.

Für die ersten Christen war Barmherzigkeit kein Zusatz zum Glauben, sondern ein sichtbares Zeichen der Nachfolge Jesu. Die Liebe zu Christus zeigte sich in der Liebe zum leidenden Menschen.

Zeugnis der Kirchenväter

Kirchenväter wie Ignatius von Antiochien, Cyprian von Karthago, Basilius der Große und Johannes Chrysostomos betonten immer wieder, dass christlicher Glaube ohne tätige Liebe leer bleibt. Die Gemeinde sollte ein Ort sein, an dem Arme, Kranke, Fremde und Verlassene Hilfe finden.

Ein Kennzeichen der Christen

Seht, wie sie einander lieben!

Dieser bekannte Gedanke aus der frühen christlichen Überlieferung zeigt, wie stark die gegenseitige Liebe der Christen wahrgenommen wurde. Nicht Macht, Reichtum oder Ansehen standen im Mittelpunkt, sondern Hilfe, Fürsorge, Gastfreundschaft und Treue im Leiden.

Zusammenfassung

Die Werke der Barmherzigkeit waren in der Alten Kirche Ausdruck eines lebendigen Glaubens. Christen bekannten Christus nicht nur mit Worten, sondern dienten ihm in den Armen, Kranken, Fremden und Gefangenen. Barmherzigkeit wurde so zu einem sichtbaren Zeugnis des Evangeliums.

Die Werke der Barmherzigkeit

Bibelstelle: Matthäus 25,35ff

Jesus beschreibt hier konkrete Zeichen echter Barmherzigkeit. Wer Hungrige speist, Durstigen zu trinken gibt, Fremde aufnimmt, Nackte bekleidet, Kranke besucht und Gefangene nicht vergisst, dient damit Christus selbst. Die Liebe zu Jesus zeigt sich also nicht nur in Worten, sondern in praktischer Hilfe für Menschen in Not. Diese Verse wurden in der kirchlichen Tradition zur wichtigen Grundlage der leiblichen Werke der Barmherzigkeit.

Koine-Griechisch – Matthäus 25,35ff

ἐπείνασα γὰρ καὶ ἐδώκατέ μοι φαγεῖν, ἐδίψησα καὶ ἐποτίσατέ με, ξένος ἤμην καὶ συνηγάγετέ με, γυμνὸς καὶ περιεβάλετέ με, ἠσθένησα καὶ ἐπεσκέψασθέ με, ἐν φυλακῇ ἤμην καὶ ἤλθατε πρός με.

Erweiterte Übersetzung

Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen. Ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet. Ich war krank, und ihr habt nach mir gesehen. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.

Schlüsselwörter zu den Werken der Barmherzigkeit

  • ἐπείνασα – „ich war hungrig“. Von πεινάω. Es meint wirklichen Mangel an Nahrung. Daraus folgt: Hungrige speisen.
  • ἐδίψησα – „ich war durstig“. Von διψάω. Es bezeichnet Durst und Lebensnot. Daraus folgt: Durstigen zu trinken geben.
  • ξένος – „Fremder, Gast, Ausländer“. Gemeint ist jemand ohne Schutz und Heimat am Ort. Daraus folgt: Fremde aufnehmen.
  • συνηγάγετέ με – „ihr habt mich aufgenommen“. Von συνάγω, wörtlich: zusammenführen, aufnehmen, beherbergen. Es meint gastfreundliche Annahme.
  • γυμνός – „nackt, unzureichend bekleidet“. Gemeint ist Armut und Schutzlosigkeit. Daraus folgt: Nackte bekleiden.
  • περιεβάλετέ με – „ihr habt mich bekleidet“. Von περιβάλλω, wörtlich: umlegen, bekleiden. Es meint Schutz und Würde geben.
  • ἠσθένησα – „ich war krank, schwach“. Von ἀσθενέω. Es kann Krankheit, Schwäche und Hilfsbedürftigkeit meinen. Daraus folgt: Kranke besuchen.
  • ἐπεσκέψασθέ με – „ihr habt mich besucht, nach mir gesehen“. Von ἐπισκέπτομαι. Es bedeutet nicht nur kurz vorbeischauen, sondern fürsorglich nach jemandem sehen.
  • φυλακή – „Gefängnis, Haft“. Gemeint sind Menschen in Gefangenschaft und Isolation. Daraus folgt: Gefangene besuchen.

Hinweis zum siebten Werk

In Matthäus 25,35–36 erscheinen sechs leibliche Werke der Barmherzigkeit. Das siebte Werk, Tote begraben, steht nicht direkt in diesen Versen. Es wurde in der kirchlichen Tradition ergänzt und besonders mit biblischen Beispielen wie Tobit verbunden.