Geistlicher Übungsweg

Ein täglicher Weg mit Bibelwort, Andacht und stiller Übung

Woche 09

Mich annehmen, wie ich vor Gott bin...

Tag 06

Meine Persönlichkeit- ich darf ich sein

Meine Persönlichkeit -ich darf ich sein

geistlicher Kampf

Hörtext

Einführung

Mich selbst anzunehmen bedeutet nicht, alles an mir gutzuheißen oder mich nicht mehr verändern zu wollen. Es bedeutet zunächst, ehrlich anzuerkennen: Das bin ich. Mit meinen Stärken und Schwächen, meiner Geschichte, meinen Verletzungen, meinen Grenzen und meinen Möglichkeiten. Psychologisch beginnt Veränderung oft dort, wo ich aufhöre, ständig gegen mich selbst zu kämpfen.

Geistlich geht dieser Gedanke noch tiefer. Ich darf mich ansehen, wie Gott mich ansieht. Vor ihm muss ich keine Rolle spielen und nichts verbergen. Er kennt meine hellen und meine dunklen Seiten. Trotzdem wendet er sich mir zu. Seine Liebe beginnt nicht erst dann, wenn ich besser geworden bin.

Mich anzunehmen bedeutet deshalb nicht: „Ich bleibe, wie ich bin.“ Es bedeutet vielmehr: „Ich darf dort anfangen, wo ich jetzt bin.“ Ich kann meine Fehler erkennen, Verantwortung übernehmen und mich verändern, ohne mich selbst abzulehnen.

Heute möchte ich lernen, freundlicher und wahrhaftiger auf mich selbst zu schauen. Nicht durch die Augen meiner eigenen Ansprüche oder der Erwartungen anderer, sondern im Licht Gottes. Ich darf vor ihm sagen: Herr, hier bin ich – so wie ich heute bin.

geistlicher Kampf

Eine meditative Betrachtung zu Versen aus Psalm 139

„HERR, du erforschst mich und kennst mich.“ – Psalm 139,1

Ich werde still vor Gott. Ich muss ihm nichts erklären. Ich muss nichts beschönigen und nichts verbergen. Er kennt mich bereits.

Er kennt die Seiten an mir, die ich gerne zeige. Aber er kennt auch das, was ich lieber verstecke: meine Unsicherheit, meine Angst, meine Fehler, meine Enttäuschungen und meine Verletzungen.

Und trotzdem bin ich hier. Vor ihm. Angesehen. Gekannt. Nicht weggeschickt.

Du kennst mich

„Du verstehst meine Gedanken von ferne.“ – Psalm 139,2

Manchmal verstehe ich mich selbst nicht. Ich frage mich, warum ich auf bestimmte Dinge so empfindlich reagiere. Warum mich manche Worte verletzen. Warum alte Erinnerungen plötzlich wieder lebendig werden. Warum ich manchmal anders handle, als ich eigentlich möchte.

Doch Gott kennt die tieferen Schichten meiner Seele. Er sieht nicht nur mein Verhalten. Er sieht meine Geschichte. Er kennt das Kind, das ich einmal war. Er kennt meine Erfahrungen, meine Verluste, meine Hoffnungen und meine Sehnsucht nach Liebe.

Vor Gott darf ich lernen, mich selbst mit mehr Verständnis anzusehen. Nicht alles muss entschuldigt werden. Aber vieles darf verstanden werden.

Du umgibst mich

„Von allen Seiten umgibst du mich.“ – Psalm 139,5

Ich bin nicht allein mit mir selbst. Gottes Gegenwart umgibt mich.

Wenn ich mich selbst ablehne, bleibt er bei mir. Wenn ich mich schäme, bleibt er bei mir. Wenn ich mich schwach fühle, bleibt er bei mir. Wenn ich mich frage, ob ich genüge, bleibt er bei mir.

Gottes Nähe hängt nicht davon ab, ob ich heute stark oder schwach bin. Sie hängt nicht davon ab, ob ich alles richtig gemacht habe.

Ich darf mich in seiner Gegenwart entspannen. Ich muss nicht ständig jemand anderes werden, um von ihm angenommen zu sein.